Schulbesuch von meet2respect im Religionsunterricht der 10. Klasse von Hr. Derendorf am 12.05.2025
Was ist meet2respect?
Das Projekt meet2respect verfolgt das Ziel, durch persönliche Begegnung und offene Gespräche Stereotype und Vorurteile zwischen religiösen Gruppen abzubauen. Vertreter des Christentums, Judentums und Islams kommen mit den Schülerinnen ins Gespräch, stellen ihre Religion vor und beantworten Fragen. Bei uns in der Klasse waren Daniel Alter (Judentum) und Nurhan Tamer (Islam), es war leider kein christlicher Vertreter anwesend. Ihr Ziel ist es, interreligiösen Respekt und Toleranz zu fördern. Während des Dialogs mit den Schülerinnen teilen die Vertreter ihr Wissen und ihre persönlichen Erfahrungen.
Der Besuch des jüdischen und des muslimischen Gasts in unserer Klasse war insgesamt interessant und lehrreich. Besonders positiv war der abwechslungsreiche Austausch, da wir die Möglichkeit hatten, persönliche Erfahrungen und unterschiedliche Sichtweisen kennenzulernen. Die Atmosphäre war dabei offen und ehrlich, wodurch man sich getraut hat, Fragen zu stellen und mehr über die jeweiligen Religionen zu erfahren. Außerdem brachten die Gäste Exemplare ihrer heiligen Schriften (Thora und Koran) und Gegenstände mit, was die Vorstellung anschaulicher gemacht hat. Dadurch bekam man einen besseren Einblick in das Judentum und den Islam und konnte neue Perspektiven auf Religion allgemein gewinnen.
Trotzdem gab es auch einige Kritikpunkte. So wurden politische Themen teilweise ausgespart, obwohl sie oft mit Religion verbunden sind und ebenfalls interessant gewesen wären. Außerdem waren die Redeanteile nicht immer ausgeglichen, da manche Personen mehr gesprochen haben als andere. An einigen Stellen wurde das lange Zuhören auch etwas eintönig. Insgesamt war der Besuch jedoch eine gute Erfahrung, durch die man viel Neues lernen konnte.
Folgende interessante Fragen konnten wir u.a. unseren Gästen stellen:
Haben sie Ihre Religion schon mal kritisch hinterfragt?
Der jüdische Vertreter hat sich im Alter von 15-30 Jahren von der Religion abgewandt, da er mehrere Sachen hinterfragt hat, die ihm komisch vorkamen. Ein Rabbi hat ihm dann jedoch wieder den Weg zurück zur Religion gezeigt und ihn überzeugt, über manche Dinge nicht so verärgert zu sein.
Die islamische Vertreterin war immer religiös, hat dennoch auch ein paar Dinge hinterfragt.
Wie finden Sie es, dass nur christliche Feiertage auch gesetzlich anerkannt sind?
Der jüdische Vertreter findet es nicht schlimm, dass jüdische Feiertage in Deutschland nicht als gesetzliche Feiertage anerkannt sind, und genießt die christlichen Feiertage, da er an diesen Tagen einfach frei hat. Außerdem hat er erzählt, dass es auch jüdische Schulen gibt, in denen dann die christlichen und jüdischen Feiertage gefeiert werden, und er nicht der Meinung ist, dass alles für eine Minderheit geändert werden müsse.
Die islamische Vertreterin genießt die christlichen Feiertage als freie Tage, Kinder können sich aber an für ihre Religion wichtigen Feiertagen von der Schule befreien lassen.
Welche Rolle spielt Jesus in Ihrer Religion?
Der jüdische Vertreter sagt, dass Jesus im Judentum als ein Rabbi anerkannt werde. Die islamische Vertreterin erzählt, dass Jesus im Islam ein Prophet sei. Im Islam gilt Jesus (Hz. Isa) durchaus auch als Messias (al-Masih). Allerdings wird er nicht im christlichen Sinne als göttlicher Erlöser oder Sohn Gottes verstanden, sondern als bedeutender Gesandter Gottes.
Welche Speisevorschriften gilt es zu beachten?
Im Judentum spricht man von „koscherem“ Essen, Schweinefleisch und bestimmte andere Tiere sind verboten, außerdem muss Fleisch nach religiösen Vorschriften geschlachtet werden. Auch bei den Muslimen darf kein Schweinefleisch gegessen werden, das Fleisch muss „halal“ sein.
Inwiefern sind Sie wegen Ihrer Religion schon einmal körperlich angegriffen worden?
Die Vertreterin des Islams berichtete, sie sei noch nie körperlich angegriffen worden. Der Vertreter des Judentums hingegen erzählte von einem schrecklichen Ereignis, bei dem er und seine Tochter aufgrund seines Aussehens (Tragen einer Kippa) von einer Gruppe Jugendlicher auf offener Straße angegangen worden sei. Er stellte sich schützend vor seine Tochter, woraufhin er körperlich angegriffen wurde und schließlich mit einem gebrochenen Jochbein im Krankenhaus lag. Dieser Vorfall war im Nachhinein auch seine Motivation, bei meet2respect mitzumachen.
Welche Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dem Islam und dem Judentum?
Zu den Gemeinsamkeiten gehören das tägliche mehrfache Beten (Juden beten dreimal am Tag, Muslime fünfmal) und die Speisegesetze, in denen beschrieben wird, welches Fleisch oder welche tierischen Lebensmittel gegessen werden dürfen (s.o.). Im Alltag ist zu beobachten, dass in beiden Religionen Kopfbedeckungen getragen werden. Frauen sollen im Islam ab dem Beginn der Pubertät und im Judentum nach der Hochzeit eine Kopfbedeckung tragen. Aus islamischer Sicht gelten die Haare der Frau als Teil der weiblichen Schönheit, die nicht öffentlich gezeigt werden soll und deren Bedeckung auch dem Schutz der Frau dient. Diese Traditionen werden bis heute noch gelebt.
Im Glauben selbst kann man mehrere Ähnlichkeiten entdecken. Beide Religionen gehen auf Abraham zurück, der in beiden eine wichtige Rolle spielt. Daher zählen sie zu den abrahamitischen Religionen.
aufgezeichnet von: Ev. Religionskurs Klasse 10 von Hr. Derendorf
