Ein musikalischer Abend für die jüngsten Chormitglieder an der AKS
Musikpädagoge Wolfram Gaigl versteht es, seine Choraufführungen immer auch zu inszenieren. Es ist kurz nach sieben Uhr am vergangenen Mittwochabend: Während Gaigl schon am Piano spielt, erheben sich aus den Stuhlreihen Kinder und kommen auf die Bühne, setzen sich erneut und singen. Es sind die Jüngsten, die „Starter“ aus Klasse 5. Immer mehr Kinder strömen hinzu und stellen sich dahinter: die Größeren, die „Choryfeen“ aus Klasse 6. Dann stimmen die 38 Sängerinnen und Sänger gemeinsam das zweite Lied „We are the Young“ von Dan Hartmann an.
Alsdann tritt Schulleiter Martin Peppler vor, um die Konzertbesucher zu begrüßen: „Man merkt, es wird Sommer, nicht nur an den Temperaturen, sondern auch den Konzerten.“
Tatsächlich ist es in der gut besuchten Aula der Kronberger Altkönigschule schwül-warm, beinahe stickig. Pädagoge Gaigl ist sich dessen bewusst, weshalb er vor Konzertbeginn alle Kinder auf der Bühne versammelt hat. Zum Plaudern, das das Lampenfieber nimmt, und zum Instruieren, was zu tun ist, falls doch mal die Sinne schwinden. Für die Kinder ein wichtiger Moment: Während der Aufführung wird es viele Soli geben und daher ist die Aufregung groß – so ganz alleine vor all den Menschen: eine echte Herausforderung!
Peppler freut sich auf diese Soiree ganz besonders: „Ich erinnere mich noch gut an die Aufführung des Musicals „Max und die Käsebande“. Ich wünsche daher allen einen schönen Abend, viel Vergnügen und gutes Gelingen!“ Tatsächlich ist die Inszenierung des Musicals „Aglaia“ ebenso wenig eine Premiere, Gaigl konnte damit schon 2014 begeistern ; doch auch er selbst schwärmt von heut’Abend: „Zum ersten Mal an der AKS spielt ein WU-Mittelstufenorchester auf.“ Dies seien 13 Pennäler, die in Klasse 8 Musik als Zusatzfach gewählt hätten und unterschiedlicher nicht sein könnten: Während die einen bereits in anderen Orchesterensembles der AKS spielten, gebe es zwei, die gar kein Instrument beherrschten. Diese bunte Truppe, die sich MAWACHACAMM nennt – ganz nach dem Vorbild von ABBA (Name aus den Anfangsbuchstaben der Bandmitglieder) – lädt daraufhin die Anwesenden zu einem Quiz ein: bekannte, vor allem amerikanische Popsongs werden angespielt, und es gilt zu raten: den Titel, wer singt und wann der Song veröffentlicht wurde – außergewöhnliche Preise winkten.
Währenddessen, fast unbemerkt, haben sich die 38 Chorkinder im rechten Teil der Aula versammelt: „Wir erzählen Euch heut’ ein Märchen von einem guten König“, heben sie an und übergeben alsbald an vier Herolde auf der Bühne, die das Libretto des Kindermusicals von Andreas Hantke umreißen: Das halbe Königreich und die Prinzessin zur Gemahlin – das verspricht König Nepomuk dem neuen Hofmusikus, der sein Töchterlein Aglaia von der Melancholie heilt. Ein Sangesstreit der Meisterklasse entbrennt, bei dem von Rap bis zum Pop hin alle Register gezogen werden – bis ein dahergelaufener Troubadour schließlich der Prinzessin Herz gewinnt.
Vor der Kulisse der Kronberger Burg, zeichnerisch umgesetzt von Designerin Anke Wenderoth mit den Klassen 8Ga/d/e und zusammengefügt von AL-Erzieher Stefan Zürn mit den Klassen 10Ra/b, bewerben sich mehrere Sänger, um nicht nur vor der Prinzessin, sondern auch einer gestrengen, vierköpfigen Jury ihr Können zum Besten zu geben. Aber stets lautet das Urteil: „Nett, sehr nett, doch ein wenig sehr depressiv“, gar „primitiv“ – und die schöne Aglaia verbleibt ungerührt in ihrer Kemenate. Sogar die Närrin in der Hosenrolle singt auf: „Ich bin der, der die Späße macht und über den man lacht“ – die Principessa ist immer noch traurig. „Wunderschöne Aglaia, wer macht Dich gesund?“, fragt sich der Chor und just da erscheint der zierliche Troubadour Osiander mit heller Stimme, seiner Gitarre – jedoch ohne Anmeldung. Als er dann – eigentlich des Platzes verwiesen – zu singen anhebt, hält Aglaia es nicht mehr in ihrem Turm, sie tritt auf die Bühne und singt im Duett mit. Nepomuk, daraufhin befragt, ob ein fahrender Sänger Prinz werden könne, erwidert lachend: „Mit dem größten Vergnügen! Seht die fröhlichen Menschen, wie sie alle mitsingen!“, sagt’s und richtet sogleich eine rauschende Hochzeitsfeier aus.
Den im Publikum anwesenden Kindern sieht man an, wie traurig sie darüber sind, dass das Musical damit vorbei ist. Da tritt Schulleiter Peppler erneut nach vorn, um dem Hofmusikus Gaigl am Hofstaat der AKS zum Danke eine Flasche harmonisch komponierten Traubensafts zu überreichen. Ach ja, da war doch noch etwas: die außergewöhnlichen Preise für die Hitwisserinnen und Hitwisser: „Entweder gratis Eintrittskarten für’s nächste Sommerkonzert“, verkündet Gaigl lachend, „oder ein Griff in die riesige Süßigkeitenbox!“ Alle sind glücklich. A sweet and happy end.

Starter und Choryfeen stimmen gemeinsam „We are the Young“ an

Prinzessin Aglaias Hofstaat vor der Kulisse der Kronberger Burg

Schulleiter Martin Peppler dankt Musiklehrer Wolfram Gaigl für sein Engagement