Dass Schüler der Altkönigschule die walisische Stadt Aberystwyth besuchen, hat eine lange Tradition, und dennoch ist keine Fahrt wie die andere. Im dreißigsten Jahr der Städtepartnerschaft war die Gruppe mit 22 Personen nicht nur so groß wie selten, es kommen auch erstmals seit vielen Jahren wieder walisische Jugendliche in den Taunus.

Dass „Croeso!“ „Willkommen!“ heißt, wissen die deutschen Schüler nach der erlebnisreichen Fahrt sicher, denn vor Ort wurden sie überall willkommen geheißen, vom Bürgermeister zum Schulleiter bis zum Kapitän des Bootes, das die Gruppe zum Delfinbeobachten auf die Irische See brachte.

Bei strahlendem Sonnenschein begrüßte der Bürgermeister die Schüler zu einem Picknick im Park und betonte dabei, wie sehr ihm die internationalen Partnerschaften am Herzen liegen, und wie gern er sich an den Kronberger Weihnachtsmarkt und andere gemeinsame Aktivitäten erinnert. In beiden Städten freut man sich schon auf die bevorstehenden Festlichkeiten zum Jubiläum der Partnerschaft.

Eine Bootsfahrt vom Hafen des malerischen Fischerdörfchens Newquay durfte auch dieses Mal nicht fehlen, aber wegen des hohen Wellengangs konnten die Lieblingsorte der Delfine nicht angefahren werden. Dafür zog der Kapitän eine Hummerreuse an Bord und die „Mannschaft“ durfte eine fast fußballgroße Spinnenkrabbe herumreichen. Kaum dass die Schülergruppe wieder von Bord gegangen war, kam eine Delfinmutter mit ihrem Kalb pflichtbewusst in den Hafen geschwommen, so dass jeder doch noch die ersehnten Fotos machen konnte.

Einen Vormittag lang trafen sich die jungen Deutschen mit zumeist deutlich älteren Mitarbeitern des Museums, allerdings nicht im Museumsgebäude, das gerade umgebaut wird, sondern in einem Begegnungszentrum an der Uferpromenade. Die Waliser hatten Gegenstände mitgebracht, die in ihrer Jugend noch zum Standard eines jeden Haushalts gehörten: Wähltelefone, analoge Filmkameras und eine Schreibmaschine. Jeder konnte Geschichten erzählen, was er damit erlebt hatte, und die Kronberger Schüler lernten dabei, wie man einen Bogen Papier einspannt und so kräftig in die Mechanik haut, dass der eigene Name darauf zu lesen ist. Einige Schüler hatten selbst historische Gegenstände mitgebracht, die sie im Stuhlkreis vorstellten, darunter die erste Ausgabe der Frankfurter Rundschau aus dem Jahre 1945.

Unter ihresgleichen waren die Jugendlichen hingegen in der Penweddig-Schule, in der Walisisch die Unterrichtssprache ist. Nach einem Kulturprogramm mit einem clog dance (einem traditionellen Stepptanz), einem Auftritt des Chors und des preisgekrönten Tanzensembles der Schule, mussten die Kronberger selbst aktiv werden. Dazu hatten sie unterhaltsame Präsentationen über Deutschland vorbereitet, beispielsweise über britische Vorurteile gegenüber den europäischen Nachbarn: Tragen wir tatsächlich Tennissocken in Badeschlappen? Ist unsere Ernährung wirklich so wurstlastig? Besonders gut kam der Vortrag über das Oktoberfest und deutsches Essen an. Zuvor hatten die Schüler im örtlichen Lidl die wenigen vorhandenen deutschen Lebensmittel eingekauft, um sie während der Präsentation anzubieten. Der Deal war: Wer Essiggurken und Löwensenf probiert, wird mit einem Erzeugnis der Firma Ferrero belohnt.

Viele der walisischen Schüler sind Mitglied in einem Kulturverein, mit dem es seit letztem Jahr eine enge Zusammenarbeit gibt. Die Teilnehmer der Fahrt trafen sich mit ihnen auf dem Pier, einer Seebrücke mit Gastronomie und Billardtischen zum gemeinsamen Verzehr gewaltiger Mengen von fish and chips, die im Anschluss bei Snooker und Darts abtrainiert wurden. Es blieb jedoch nicht beim Feiern, ein zweites Treffen im Begegnungshaus der Stadt war der gemeinsamen Projektarbeit vorbehalten. Im ersten Schritt erstellten alle Teilnehmer Collagen zu ihrem Selbstbild und erklärten die entstandenen Werke ihren Partnern. Die nächsten Teile der Projektarbeit finden in wenigen Tagen in Kronberg statt, wo die Waliser zudem Bürgermeister König treffen, gemeinsamen mit den Schülern der Altkönigschule die Burg besichtigen und Fahrten nach Frankfurt und Rüdesheim unternehmen.

Es ist dem selbstlosen Einsatz vieler Freiwilliger auf beiden Seiten zu verdanken, dass so viele junge Menschen wertvolle Erkenntnisse und Einblicke gewinnen und Freundschaften schließen können. Der walisische Teil der Partnerschaftsvereins bezahlt beispielsweise traditionell die Bootsfahrt und organisiert alle Treffen sowie einen Rundgang durch die Stadt. Der Kronberger Teil des Vereins hat auch in diesem Jahr die Reisekosten aller Beteiligten durch eine sehr großzügige Spende erfreulich niedrig gehalten.

Der Bürgermeister Cllr Emlyn Jones (2. von li.) heißt Frau Alkimou (links) und Schüler der Altkönigschule Kronberg im Park der Partnerstadt willkommen

 

Die Schüler – frisch aus Kronberg, die Spinnenkrabbe – frisch aus der Irischen See

 

Colin und Hugo erklären den interessierten Waliser Schülern, wie viel Maß eine Wiesenwirtin so tragen kann