Als Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau setzt sich Eva Szepesi seit Jahren mit großem Engagement dafür ein, die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und an die Opfer der Shoah lebendig zu halten. Wir sind sehr dankbar dafür, dass Frau Szepesi die Altkönigschule am 1.6.2026 besucht und in einem eindringlichen Zeitzeugengespräch mit Schülerinnen und Schülern der Qualifikationsphase sowie der Kreisau AG ein Zeichen gegen das Vergessen gesetzt hat.
Eva Szepesi wurde 1932 in Budapest als Kind jüdischer Eltern geboren. In ihrem bewegenden Vortrag blickte sie auf eine zunächst glückliche, behütete Kindheit zurück, die jedoch bald von antisemitischer Diskriminierung, Ausgrenzung und Verfolgung überschattet wurde. Nach der Besetzung Ungarns durch die deutsche Wehrmacht im März 1944 und einer verzweifelten Flucht in die Slowakei wurde sie, getrennt von ihrer Familie, gefangengenommen und schließlich in einem Viehwaggon nach Auschwitz verschleppt. Lange Zeit war Eva Szepesi nicht in der Lage, über das unvorstellbare Leid zu reden, das sie dort erfahren hat. Heute will sie für diejenigen sprechen, die ihre Stimme durch die Nationalsozialisten verloren haben. Für ihre Mutter, ihren Vater und ihren jüngeren Bruder, die wie Millionen andere Opfer der Shoah wurden. Eva Szepesi selbst ist dem Tod in Auschwitz nur knapp entkommen. Sie gehört zu den wenigen Kindern, die das Vernichtungslager überlebten.
Dass der Antisemitismus nach 1945 nicht verschwunden ist, dass die heutige Generation jüdischer Menschen in Deutschland, insbesondere seit dem 7. Oktober 2023, zunehmend Hass ausgesetzt ist und angesichts der Bedrohungslage nicht angstfrei leben kann, verdeutlichte Frau Szepesis Tochter im Anschluss an den Vortrag ihrer Mutter anhand eigener schmerzhafter Erfahrungen.
Eva Szepesi verband damit den Appell an die Schülerinnen und Schüler, Verantwortung zu übernehmen und antisemitischen Äußerungen deutlich zu widersprechen. Wie auch in ihrer Rede im Bundestag vom 31.1.2024 betonte sie: „Ihr habt keine Schuld für das, was passiert ist. Aber ihr habt die Verantwortung für das, was jetzt passiert.“
Die für ein junges Publikum illustrierte und auch für didaktische Zwecke gut geeignete Biographie von Frau Szepesi ist unter dem Titel „Ich war Eva Diamant“ im Buchhandel erhältlich. Eine ausführliche, durch Familienfotos veranschaulichte Darstellung ihres Schicksals bietet das Buch „Ein Mädchen allein auf der Flucht: Ungarn – Slowakei – Polen 1944-1945“.