„Nichts ist so unwissend wie die Unwissenheit der Gewißheit.“ (Aldous Huxley)
Welch fulminanter Erfolg für Kunstpädagogin Nina Borsch-Janßen und ihre beiden Grundkurse der Jahrgangsstufe 12: Während die Collage „brave new world I“ mit dem 1. Preis zur Jahresausstellung der renommierten Kunstgalerie Artlantis ausgezeichnet wurde, erhielt die Radierung „brave new world II“ den 2. Preis. „Wir haben eindeutig Potenzial, und das darf man auch sehen!“, fasst Borsch-Janßen ihre Freude in Worte. Auch wir gratulieren hierzu aufs Herzlichste, zumal acht weitere bekannte Schulen des Hochtaunuskreises an der Ausstellung mitwirkten. Noch bis Sonntag, den 08.03.2026, können die Exponate in den Räumlichkeiten des Tannenwaldwegs 6 in Bad Homburg betrachtet werden.
Als am vergangenen Freitag das Juroren-Trio die Urkunden an Zwölftklässler David Schatz, stellvertretend für beide Grundkurse, und Pädagogin Borsch-Janßen überreichte, konnte diese es kaum fassen: „Ein Schulkunstpreis alleine ist schon toll, aber diesmal haben wir es wirklich getoppt; es ist nämlich der 1. UND der 2. Preis geworden!“ Die Juroren zeigten sich ebenso von der Arbeit der Jugendlichen beeindruckt: „Die Jury würdigt die gelungene Verbindung aus Individualität und kollektiver Bildfindung“, erläuterte hierzu Alexander D. Jackson, Kuratoriumsvorsitzender der Johann-Isaak-von-Gerning-Stiftung.
Borsch-Janßens Erfolg ist wie eine Reminiszenz an die Zeiten, in denen reihenweise Schülerinnen und Schüler umliegender Schulen an die Oberstufe der Altkönigschule wechselten, um an einem der renommierten Kunst-Leistungskurse der beiden Kunstpädagogen Rolf Köhler und Heinz Schmitt teilnehmen zu können. Schmitt, mittlerweile verstorben, animierte „seine“ Künstler gar dazu, seinen VHS-Abendkursen beizuwohnen, und Köhler, seines Zeichens auch Französischlehrer, gelang es, Preise im Ausland einzuheimsen, wie etwa Ende der 1980er Jahre anlässlich der 200-Jahrfeier der Französischen Revolution in der Stadt Cherbourg. Auch viele künstlerisch hochwertige Graffitis, im ganzen Kronberger Stadtgebiet verteilt, so z. B. am Bahnhof, erinnern an die kreativ-hochproduktiven Kunstzeiten an der Altkönigschule.
Der Erfolg ist für alle Seiten umso schöner, denn auch die Kunstgalerie hat in diesem Jahr etwas zu feiern: nämlich ihr 30-jähriges Bestehen. Der gemeinnützige Trägerverein „Bad Homburg Artlantis“ kann sogar auf eine fast 80-jährige Geschichte zurückblicken, wurde seinerzeit unter dem Namen „Künstlerbund Taunus“ gegründet und eröffnete schließlich 1996 die Galerie.
Impulsgeber für den Titel der diesjährigen Jahresausstellung ist der Roman „Brave New World“ von Aldous Huxley aus dem Jahr 1932. Übergeordnetes Thema ist die entmenschlichende Wirkung staatlicher Kontrolle über das Leben der Bürger, die Individualität, Kultur und Kunst unterdrückt. Borsch-Janßen und ihre beiden Kurse entschlossen sich dazu, sich im Unterricht dem Romaninhalt künstlerisch zu nähern. „Zum einen behandelten wir die Kunst der Weimarer Republik“, erläutert die Kunstpädagogin im Gespräch, „zum anderen erscheint auch die aktuelle weltpolitische Lage geeignet, sich intensiv mit der dystopischen Vision auseinanderzusetzen.“ Vor allem aus Gründen der Zeit (Abgabefristen) habe man den Roman im Unterricht zwar nicht lesen können, dafür hätten sich die Schülerinnen und Schüler aber eine Zusammenfassung in Form einer Playmobil-Version („Brave New World to go“) angeschaut. Diese scheinbar naive Darstellung, kombiniert mit dem zugleich harten und brutalen Inhalt, sei dabei eine erste wichtige Inspiration für die eigene künstlerische Umsetzung gewesen.
Ausgehend von den dadaistischen Collagen Hannah Höchs, einer Gothaer Künstlerin, die schon in den 1920er Jahren Macht, Geschlechterrollen und Technik kritisch reflektierte, haben die Schüler mit unterschiedlichstem Bildmaterial gearbeitet und dabei diese visuellen Fragmente re-kombiniert, verfremdet und konfrontiert, um eine eigene Bildsprache zu entwickeln. Da jede/r eine eigene Collage angefertigt hatte, mussten die Einzelarbeiten zu einer Präsentation zusammengefügt werden, eine aufwändige Aufgabe, die die Schülerin Julina Reich für alle übernahm. Dass dabei eher ein Artefakt aus dem Bereich Mixed Media denn der klassischen Collage herausgekommen ist, dürfte die Jury überzeugt haben.
Lea Lewalter, seit fast einem Jahr an der Altkönigschule als Kunstreferendarin tätig, zeigt sich begeistert von der Arbeit und dem Engagement ihrer Kollegin: „Die Collage bricht die Idee des Einzelnen auf: Sie bildet ein künstlerisches Netzwerk ab, in dem individuelle Handschriften zu einem lebendigen Gesamtbild verschmelzen. Der Netzwerk-Gedanke wird auch durch die haptische Verbindung aus Stoffen und Wäscheklammern deutlich. Es ist das Zusammenspiel von Vielfalt und kollektiver Identität, das diese Arbeit so besonders macht.“ Schöner kann man den Gemeinschaftsgeist und die enorme Arbeitsintensität, die die beiden Gewinner-Werke reflektieren, nicht zusammenfassen. Schließlich stellt Nina Borsch-Janßen gemeinsam mit den Jugendlichen in ihren Werken dieselben Kernfragen, die seinerzeit auch Huxley umtrieben: „Was bleibt echt in einer Welt des Überflusses und der Reproduktion? Wie können Kunst und Denken kritisch, poetisch und relevant bleiben?“
Artikel verfasst von PG ohne Hilfe von KI

Zwei Urkunden, die den fulminanten Erfolg beweisen

David Schatz, Schüler des Gewinner-Grundkurses, präsentiert stolz mit seiner Kunstlehrerin Nina Borsch-Janßen das Kunstwerk sowie die Urkunden

Die drei von der Altkönigschule eingereichten und ausgestellten Arbeiten